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 « zurück  Nr.06 / Index | 11.2001 | Seite 08   blättern » 


kinder und jugendliche

verkehrssituation

Mehr als Abhängen: Eltern wünschen sich längere Öffnungszeiten in den Kindertagesstätten quartiersmanagement
Verkehr: Familien mit Kindern empfinden die Verkehrssituation oft als belastend
Kinder & Jugendliche

Haushalte mit Kindern im Schanzenviertel


"Verlassen immer mehr Familien mit Kindern das Schanzenviertel? Kommt es zu einer Verdrängung von Familien durch besser verdienende Haushalte ohne Kinder?" Diesen Fragen sind die QuartiersmanagerInnen der STEG im Auftrag der Stadtentwicklungsbehörde in den letzten Monaten nachgegangen. Anstoß dafür war eine Vermutung nicht nur der PolitikerInnen des 9er-Gremiums, dass die vorhandenen Probleme im Viertel (z. B. die Auswirkungen der offenen Drogenszene, Verschmutzung) den Hauptauslöser für Wegzüge von Eltern mit Kindern bilden.

Einigkeit besteht darüber, dass diesen Haushalten auch weiterhin das Bleiben im Schanzenviertel ermöglicht werden muss. Deshalb war das Ziel dieser Untersuchung einerseits die Darstellung der Lebenssituation von Haushalten mit Kindern im Schanzenviertel. Zum anderen ging es um eine Analyse der Zukunftsperspektiven und das Aufzeigen realisierbarer Verbesserungsmöglichkeiten angesichts der festgestellten Probleme und Defizite sowie der aufgezeigten Potenziale.

Für die Untersuchung hat die STEG dreißig Mütter und Väter aus dem Schanzenviertel in ca. einstündigen offenen Interviews zu ihrer derzeitigen Wohnsituation, ihrer Beurteilung des Schanzenviertels, den Möglichkeiten der Kinderbetreuung im Viertel sowie zu ihren Wohn- und Lebenswünschen befragt. Außerdem interviewten wir zehn Experten (aus sozialen Einrichtungen, Kinderärzte, SozialarbeiterInnen etc.), um auch deren Sichtweise in die Untersuchung einfließen zu lassen.

Heraus kamen sehr differenzierte Ergebnisse, die auf verschiedene Schwerpunktthemen im Schanzenviertel hinweisen. An dieser Stelle geben wir die Ergebnisse zusammenfassend und natürlich aus Sicht der Befragten wieder: Positiv am Schanzenviertel fanden viele u. a. das weitgehend funktionierende soziale Miteinander, darunter die guten Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen, die Toleranz und Offenheit im Viertel verbunden mit der "Multi-Kulti-Atmosphäre". Die gemischte Nutzung des Quartiers, geprägt durch Wohnen und ein recht gutes Infrastrukturangebot, bildet für viele einen weiteren Pluspunkt. Auch die zentrale Lage des Schanzenviertels in der Stadt und seine gute Erreichbarkeit werden positiv vermerkt. Negativ hingegen beurteilte ein Teil der Befragten die sich verschlechternde Qualität des Wohnumfeldes, insbesondere die zunehmende Verkehrsbelastung, die Vermüllungen auf Straßen und in Parks, die Auswirkungen der offenen Drogenszene sowie die steigenden Belastungen durch die Gastronomie und die auswärtigen Besucher des Viertels. Außerdem wurde die schwierige Situation der Schulen im Viertel und das mangelnde Angebot an familiengerechten Wohnungen beklagt.

Ihre Kinder wissen die meisten Eltern im Viertel gut aufgehoben, zumindest im Bereich der Kitas sei das Angebot vielfältig. Längere Früh- und Spätöffnungszeiten dieser Einrichtungen sowie weitere Krippen- und Hortplätze (davon gibt es im Viertel zu wenige) würden aber für viele der berufstätigen Eltern und insbesondere für die Alleinerziehenden eine erhebliche Erleichterung des Alltags bedeuten. Problematisch sei das Angebot für Jugendliche, die im Viertel kaum oder nur teilweise Freizeitangebote und Beschäftigungsmöglichkeiten vorfänden.

Wie beurteilen die Befragten vor dem Hintergrund dieser Einschätzungen ihre Zukunft im Schanzenviertel? Wir unterschieden in der Untersuchung drei Gruppen: diejenigen, die sich bereits zu einem Wegzug aus dem Viertel entschieden haben, die "Sesshaften" ohne Wegzugsabsichten und diejenigen, die sich zu einem Wegzug gezwungen fühlen. Die "Wegzugswilligen" empfinden die sich verschlechternde Wohnumfeldsituation durch den zunehmenden und vor allem für die Kinder gefährlichen Verkehr, das sich verstärkende soziale Elend und die fehlende Sauberkeit im Viertel als mittlerweile zu belastend für ihre Familie. Zu dieser Gruppe gehören auch Haushalte, die schon seit über zehn Jahren im Schanzenviertel wohnen und nun "die Nase voll" haben. Ein Teil der Wegzugswilligen hatte jedoch unabhängig von den Entwicklungen im Viertel sowieso einen Umzug in eine ruhigere Wohngegend bzw. (zurück) aufs Land vorgesehen, da ein behütetes Aufwachsen der Kinder dort eher möglich sei.

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