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 « zurück  Nr.06 / Index | 11.2001 | Seite 05   blättern » 


kabel ag

die netzpiloten

Etikettenwechsel: Wo bis zum Sommer 2001 noch die Kabel AG saß, sind inzwischen neue Unternehmen eingezogen quartiersmanagement
Die "Netzpiloten": Eine von vielen Agenturen im Viertel, die die Krise deutlich spüren
Multimedia

Was verbirgt sich hinter Multimedia@Schanze?


Die Schanze gilt als einer der Hamburger Hot-Spots für die Neuen Medien. In Hinterhöfen, alten Fabriken und Werkstätten, Büroetagen und auch Wohnungen wird in über hundert Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung rund um das Internet gearbeitet. Die kreative Szene der Multimedia-Dienstleister mag das bunte Viertel mit seinen vielfältigen Ansichten und Gesichtern. Im Gefolge der Medienagenturen haben sich viele neue Bars, Cafés und Mittagstische in der Schanze etabliert. Und auch einige alteingesessene Geschäfte und Dienstleister profitieren von der Medienszene ­ zumindest solange es der Branche gut geht.

Doch das Erfolgsimage der Neuen Medien hat in diesem Jahr viele Kratzer bekommen. Zahlreiche Unternehmen mussten Arbeitsplätze reduzieren, viele gingen pleite oder mussten Standorte aufgeben. Die weltweite Krise der Internetdienstleister trifft auch das Schanzenviertel unmittelbar. So führt die Pleite der KabelNewMedia AG nicht nur zum Verlust von Börsengewinnen, sondern vor allem zum Verlust von vielen Arbeitsplätzen in der Schanze. Denn das Unternehmen von Peter Kabel war mit 400 Arbeitsplätzen der größte Arbeitgeber im Stadtteil. Und nicht nur die unmittelbar betroffenen Beschäftigten müssen sich neu orientieren. Auch viele Gewerbebetriebe in der Schanze bekommen die Folgen dieser Pleite deutlich zu spüren.

Zum Beispiel das "park" in der Susannenstraße: Bahram Nia und sein Team haben die Kabel AG 18 Monate lang täglich beliefert. "Die hohe Miete für unsere Räume war damit abgedeckt", sagt der Geschäftsführer. Als der Großabnehmer wegfiel, musste Nia Mitarbeiter entlassen und nach neuen Verkaufswegen für sein Sortiment aus täglich frischen Panini, Bagles und Muffins suchen. "Im Nachhinein ist man immer schlauer", sagt Nia. "Einer so umfassenden Geschäftsbeziehung, wie ich sie zum Kabel-Unternehmen hatte, stehe ich heute skeptisch gegenüber ­ obwohl ich diesem Kunden natürlich sehr viel verdanke. Doch als Kabel Konkurs ging, verlor ich mit einem Schlag ein geschäftliches Standbein. Ich versuche jetzt, die Nachfrage auf mehrere kleinere Kunden zu verteilen." Inzwischen beliefert Nia auch wieder einige Ex-Kabel-Mitarbeiter, die sich in alten Kabel-Räumen in der Schanzenstraße selbstständig gemacht haben. Das lässt ihn hoffen, dass die Krise für sein Geschäft bald überwunden ist.

Dieses Beispiel steht stellvertretend für viele Unternehmen in der Schanze, die eng mit den Multimedia-Unternehmen zusammenarbeiten. Daraus wird deutlich, dass diese Branche nicht nur für die Steigerung von Gewerbemieten verantwortlich ist, sondern auch zu einer wirtschaftlichen Belebung und Stabilisierung des Stadtteils beitragen kann. Die STEG arbeitet daher zukünftig im Rahmen des Quartiersmanagements unter der Überschrift "Multimedia@Schanze" verstärkt mit diesen Unternehmen zusammen. Ziel ist sowohl eine Verbesserung der Situation dieser Branche an ihrem Standort als auch die gezielte Nutzung von Kooperationsmöglichkeiten mit dem Stadtteil. Mögliche Projekte sind hier zum Beispiel die Bildung einer Jobbörse und eines Arbeitsplatzpools oder ein stadtteilbasierter Lieferservice.

Zunächst soll für das kommende Jahr ein "Tag der offenen Agentur" vorbereitet werden, damit Interessierte sich selber ein Bild machen können, was da in den Hinterhöfen und Fabriketagen so gearbeitet wird. Denn für viele Menschen ­ nicht nur in der Schanze ­ ist das Internet immer noch ein unbekanntes Medium und die Skepsis gegenüber den Neuen Medien groß.

Stefan Kreutz   Kontakt:
Stefan Kreutz, STEG
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