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 « zurück  Nr.05 / Index | 07.2001 | Seite 09   blättern » 








Trotz des unbeständigen Wetters kamen mehrere hundert Besucher zur Jubiläumsfeier in den Schanzenhof. Als letzte Band sorgten 'Fish for Fish' - hier Wigbert Zelfel und Peter Horn - für ausgelassene Stimmung unter den Gästen Die Clownin Piccolina Hosenstock alias Bettina Natho scherzte mit den Besuchern.
Volkshochschule

10 Jahre VHS in der Schanze


Seit nunmehr 10 Jahren, nämlich seit Frühjahr 1991, ist die Hamburger Volkshochschule mit dem Stadtbereich Mitte, der zentralen Verwaltung und der Geschäftsführung in der Schanzenstraße 75/77 beheimatet. Hierzu ein kleiner Rückblick.

Die VHS in der Schanzenstraße ist mit ca. 10.000 Teilnehmer/innen der größte Regionalbereich der Hamburger Volkshochschule. Die VHS Hamburg im Schanzenviertel - völlig normal? Ja und nein. Volkshochschulen wollen nahe an den Menschen, an Bildungsinteressierten, an ihren Kunden sein - darum gibt es in Hamburg viele Regionalstellen der VHS. Aber in einem so exponierten und 'umstrittenen' Viertel wie der Schanze den größten Stadtbereich und die Zentrale zu haben, ist für eine Volkshochschule doch etwas ungewöhnlich. (Für Repräsentationszwecke ist beispielsweise die Adresse Schanzenstraße mit dem etwas schmuddelig unübersichtlichen Fahrstuhleingang in der Tordurchfahrt in den Augen einiger Besucher/innen nur mäßig geeignet.)

Im Schanzenviertel zu sein, ist für uns daher durchaus nicht frei von Ambivalenzen: Zum einen sind wir in dieser quicklebendigen und sich schnell verändernden Umgebung, auch mit ihren Problemen (Drogen, Armut), quasi am Puls der Zeit, und dies beschert uns viele junge Teilnehmer/innen; bei uns in der Schanzenstraße ist Neues, sind experimentelle Workshops möglich, die anderswo nicht laufen. Auf der anderen Seite ist für viele Teilnehmer/innen aus dem bürgerlichen Milieu, die wir auch erreichen wollen, das Schanzenviertel nach wie vor ein unbekanntes, für manche gar bedrohliches Terrain. Sie gehen da einfach nicht hin, auch wenn sie es vom Augenschein gar nicht kennen. Andere aus diesem Milieu wiederum schaffen es, trotz einiger Vorbehalte, den Weg zu uns zu finden - und beginnen dann diesen Ort zu mögen, gehen nach oder vor dem Kurs beim Türken an der Ecke einkaufen oder in den Schanzenstern oder einen der vielen Imbisse zum Essen. Diese Begegnungen und Annäherungen verstehen wir als eine sehr konkrete gesellschaftliche Integrationsarbeit.

Nicht unproblematisch war zunächst das Miteinander im Schanzenhof: Wir als öffentliche Einrichtung inmitten kleinerer selbstverwalteter Betriebe, vom Gasthaus Schanzenstern über das Kino bis zum Anwaltskollektiv. Das waren - und sind - unterschiedliche Meinungen und Mentalitäten, Arbeitseinstellungen und Biografien. Da hat sich im Laufe der Jahre einiges geändert, das gegenseitige Verständnis ist gewachsen, es ist eine gute Nachbarschaft geworden mit Akzeptanz und Toleranz, mit Freundlichkeit und vielen Kooperationen.

Vor zwei Jahren haben wir uns durch die Integration des Bereichs Deutsch als Fremdsprache noch einmal vergrößert. Mit den Teilnehmenden der Deutsch-Kurse, den Fremdsprachen-, Gesundheits-, Politik- und Kunstangeboten besuchen täglich ca. 400 Menschen die VHS, auch an Wochenenden ist das Haus mit Workshops gut gefüllt.

Wir denken nach wie vor, dass die Schanzenstraße eine gute Adresse für die VHS ist und unsere Teilnehmer/innen gerne zu uns kommen. Einerseits wollen wir weiterhin zum Viertel passende und für im Viertel wohnende und arbeitende Menschen interessante Angebote machen und gleichzeitig die Veränderungsprozesse im Quartier moderierend, aktiv und kritisch begleiten. Andererseits möchten wir mit unseren Angeboten in der Schanzenstraße alle Hamburgerinnen und Hamburger erreichen.



Hans-Hermann Groppe   Autor:
Hans-Hermann Groppe,
Programmbereichsleiter Kultur, VHS
talkSchanzenstraße 75/77, 20357 Hamburg
talk (040) 4 28 41-27 51
talk (040) 4 28 41-27 88
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