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 « zurück  Nr.05 / Index | 07.2001 | Seite 06   blättern » 






Keine nächtliche Lärmbelästigung? Viele Gastronomen - hier Omas Apotheke - bitten ihre Gäste ab 22.00 Uhr hinein Jeden Mauervorsprung ausgenutzt: Im Sommer ist es auf dem Schulterblatt besonders eng

Gastronomie

Die Kehrseite der Medaille


Ob asiatische Suppe in der Bartelsstraße, italienischer Mittagstisch in der Weidenallee oder Cai Pirinha auf dem Schulterblatt - das gastronomische Angebot im Schanzenviertel ist riesig. Was des einen Freud, ist allerdings auch hier mitunter des anderen Leid. Einige Anwohner klagen über die Lärmbelästigung und den zusätzlichen Abfall auf den Gehwegen und Straßen. Seit einigen Monaten befassen sich auch die Mitglieder des Sanierungsbeirats Schulterblatt mit dem Thema. Wir haben Stephan Watrin und Holger Cassens, beide Mitglieder des Sanierungsbeirats, gebeten, uns ihre Meinung zum Gastronomieviertel Schanze zu sagen.

'Mich stört vor allem der Dreck. Es gibt leider schwarze Schafe unter den Gastronomen, die abends nicht den Bordstein kehren. So bleiben dann Zigarettenkippen, aber auch leere Flaschen und Gläser liegen. Fährt ein Auto über die gläsernen Hinterlassenschaften, spritzen oft Scherben und Splitter bis auf den Gehweg. Ende April hat sich ein Kind an den herumliegenden Scherben verletzt. So weit muss es doch nicht kommen. Aber obwohl erst ich selbst, dann ein Nachbar bei dem betreffenden portugiesischen Stehcafé waren und um abendliches Fegen gebeten hatten, konnten wir bisher nichts verändern. Dazu hätten sie keine Zeit, wurde uns gesagt. Unser Vorschlag, einen Mülleimer auf die Straße zu stellen und die Gäste darauf hinzuweisen, wurde ebenfalls abgelehnt.

Wir suchen weiter das Gespräch, auch mit dem Sanierungsbeirat. Ich bin davon überzeugt, dass uns eine konfrontative Strategie in diesem Fall überhaupt nicht weiterbringt. Die Gastronomie ist hier, und das ist gut so. Ich liebe es, hier im Viertel zu wohnen. Ich habe nichts dagegen, dass sich die Schanze in den letzten Jahren verändert hat, und mit den Agenturen die Cafés kamen. Ich finde bloß, es sollte dabei das Verursacherprinzip gelten: Wer hier mit der Gastronomie sein Geld verdient, sollte auch den entstehenden Dreck wegmachen. So sollten die Spielregeln sein. Die meisten halten sich ja auch daran und kehren abends. Bloß, solange es nicht alle tun, liegen doch immer wieder gefährliche Scherben herum.

Die Situation ist besser geworden, seit die Schanzenkieker morgens das Viertel fegen. Die kommen jedoch nicht am Wochenende, sondern erst wieder Montag früh. Inzwischen habe ich mir angewöhnt, am Samstag selbst vor unserem Haus zu kehren. Aber das kann’s ja auch nicht sein, oder?'

Stephan Watrin, Anwohner und Mitglied des Sanierungsbeirats Schanzenviertel


'Die Szene im Schanzenviertel ist von einer Vielzahl von Gastronomie Betrieben geprägt. Das Angebot reicht von der Eckkneipe bis zur Nachtbar, vom Türken bis zum Straßencafé. Natürlich entstehen hier eine Reihe von Konflikten zwischen den Anwohnern und den Wirten, wegen Lärm, Dreck, Scherben usw. Viele Konflikte ließen sich bestimmt im Anfangsstadium vermeiden durch das Zugehen aufeinander und Gespräche. Leider fehlt oft nur ein Ansprechpartner. Selbst im Gaststätten-Verband war kein Gastronom oder Wirt bekannt, der bereit wäre, sich um Konfliktlösungen zu bemühen.

Häufig geht es nur um relative Kleinigkeiten, wie z. B. das Aufstellen von Müllbehältern, damit der Dreck nicht auf den Gehwegen liegenbleibt, das Freihalten von Hauseingängen, damit die Bewohner auch mit Fahrrädern ungestört ins Treppenhaus gehen können, oder eine Happy-Hour für Bewoh-ner des Hauses, damit der nächtliche Lärm besser ertragen wird. Die Wirte sollten einmal ernsthaft versuchen, Gesprächspartner für die Bewohner zu finden, um die Konflikte gemeinsam abbauen zu können und die Stimmung auf diese Weise zu verbessern.'

Holger Cassens, Eigentümer im Schanzenviertel und Mitglied des Sanierungsbeirats Schulterblatt



Julia Dettmer   Kontakt:
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