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![]() ![]() Engagement für eine funktionierende Nachbarschaft braucht viel Geduld und Zeit |
Funktionierende Nachbarschaft statt messeoptimales KonzeptDer Diskussionsprozeß um die Erweiterung des Geländes der HAMBURG MESSE entlang der Bahntrasse nach Westen in Richtung Schanzenviertel hat in zahlreichen Veranstaltungen der vergangenen drei Monate weitere Fortschritte gemacht. In diesem Beitrag sollen der Verlauf des Diskussionsprozesses und seine Entwicklung als Teil des Verfahrens zur Messe-Entwicklung/-Erweiterung schlaglichtartig aus meiner Sicht des unmittelbar betroffenen Anwohners beleuchtet werden. Es war für mich nämlich überraschend, dass es gerade in den jüngsten Diskussionen eine allmähliche Verschiebung der inhaltlichen Schwerpunkte von den „technischen“ und stadtplanerischen zu den sozialen Aspekten und Folgen dieses Großprojektes gab. Zunächst bildeten die Forderungen nach einer Lösung der gravierenden Verkehrsprobleme in den der Messe benachbarten Wohnquartieren einen sehr dominanten Teil der Diskussion. Einen vergleichbaren Stellenwert hatte die Sorge um den Fleischgroßmarkt Hamburg (FGH) und seine Arbeitsplätze, denn in den Vorstudien zur Erweiterung des Messegeländes waren auch erhebliche Flächen des FGH überplant - um nicht zu sagen "überrollt" - worden. Bei einer unveränderten Realisierung dieser Vorstudien wäre der Fleischgroßmarkt im Schanzenviertel wohl kaum noch funktionsfähig gewesen. Zahlreiche lokale Arbeitsplätze bei den Großmarktbetrieben und ihren Zulieferfirmen im Quartier wären unweigerlich verloren gegangen. Heftige Proteste von Seiten des FGH, der Handwerkskammer und zahlreicher AnwohnerInnen führten inzwischen dazu, dass die ursprüngliche Planung gründlich geprüft und - hoffentlich - in geeigneter Weise modifiziert wird. Eine ähnlich hoffnungsvolle Perspektive wäre im Bereich der Verkehrsfragen wünschenswert, aber leider lagen hier bis Ende September noch keine wirklich überzeugenden Lösungsvorschläge für die Verminderung der bereits jetzt kaum erträglichen Belastungen, geschweige denn für ein zukunftsfähiges Konzept vor. Ganz im Vordergrund bei der Entwicklung geeigneter Vorschläge für die HAMBURG MESSE als Innenstadt-Messe muß dabei aus der Sicht einer großen Mehrzahl der an den Diskussions- und Informationsveranstaltungen teilnehmenden QuartiersbewohnerInnen die Förderung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs und des Gütertransportes auf der Schiene stehen. Neben modernen Verkehrs- und Logistikkonzepten sind aber vor allem auch zeitgemäße planerische Vorschläge zur Sicherung und Verbesserung sozialer Strukturen und Einrichtungen in den Quartieren gefragt. Zum einen muß also sichergestellt werden, dass die HAMBURG MESSE nicht der "Fremdkörper" in der städtischen Umwelt bleibt, als der sie jetzt ganz überwiegend empfunden wird. Das bedeutet zum Beispiel, dass die „neue“ Messe auch architektonisch sehr viel besser in ihre Umgebung eingepaßt werden muß und sich ihrem Umfeld durch ständig nutzbare Wege und Plätze öffnen sollte. Außerdem gehören zu einer funktionierenden Nachbarschaft zwischen dem gewerblichen Großunternehmen Messe und den kleinteilig strukturierten Quartieren um sie herum auch Offenheit für Bedürfnisse und Probleme der dortigen BewohnerInnen und Betriebe. Dazu könnten zum Beispiel eine lokale Job-Börse für (Teilzeit-) Arbeitsplätze bei Messen oder die preisgünstige Bereitstellung von Räumen für nicht-kommerzielle Veranstaltungen gehören. In diesem Zusammenhang möchte ich der HAMBURG MESSE dringend empfehlen, den intensiven und produktiven Diskussionsprozeß weiter fortzusetzen und sich auf die Ideen und die Sachkunde derjenigen zu stützen, die hier leben und arbeiten. Denn die Perspektiven vieler Messen sind keineswegs ungetrübt, so dass eine verträgliche Einbettung der Messe in die Stadt von großem Nutzen für ihre Zukunft sein kann. | |||
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Autor: Ingolf Goritz, Stellvertr. Mitglied im Sanierungsbeirat Karolinenviertel und Mitglied im Stadtplanungsausschuß der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte | |||
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