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  aus: Nr.02 / Index | 07.2000 | Yenns Erzählung   blättern » 


Der erste Druck an diesem Tag

Am Bahnhof Sternschanze: "Der erste Druck an diesem Tag, auf dem Weg wird noch eine Zitrone gekauft."













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Drogen

Ein ganz gewöhnlicher Tag in der Schanze ­ aus ungewöhnlicher Perspektive


Ich begleitete Yenn, einen obdachlosen Junkie aus der Schanze, an einem Mittwoch im Mai von 14.45 bis 18.15 Uhr. Die Gespräche sind inhaltlich nicht geändert, redaktionell lediglich der Schriftform angepaßt.

Mittwoch, 14.45 Uhr
Yenn holt mich von der STEG ab, wir werden heute einen Nachmittag gemeinsam verbringen; Yenns Tagesablauf soll wie immer verlaufen.

15.00 Uhr ­ erste Station
Der erste Druck an diesem Tag in der Schanze, Yenn ist gerade aus Lüneburg wiedergekommen. Auf dem Weg wird noch eine Zitrone gekauft. Auf dem Bahndamm angekommen, treffen wir zwei Freunde von Yenn.

Peter*, ungefähr 40, will einen Zehner für seine Geschichte, erzählt dann aber auch so:

Irgendwann ist ja jeder mal eingestiegen. Man wird ja nicht geboren, macht seinen Job, dann hört man auf und macht in Drogen sondern durch verschiedene Situationen, wo eben die Anhaltspunkte sind, dann Drogen zu nehmen. Fast jeder nimmt mal irgendwann Drogen - eins-, zweimal. Dann bleibst Du hängen - Du vergißt durch Drogen - so ein "leck mich am Arsch-Gefühl" und dann gehst Du zu irgend einem Psychologen und fragst: Paß auf - ich hab da ein Problem, ich kann meine ganze Kraft, die ich hab, nicht kanalisieren. Und der erzählt Dir: Ja und so und weiß auch nicht...

Ich sach: Mann, Du kannst doch mal hinterfragen, Du kannst doch sehen, ich hab ein Leben lang gearbeitet, hab eine Familie großgezogen und jetzt ist meine Tochter gestorben und dann hab ich jemanden getroffen, der hat Drogen genommen, dann hab ich halt auch ein bißchen Droge genommen, so kann man ein bißchen vergessen.
* alle Namen geändert

Wenn Du das ein paar Tage machst, dann wachst Du irgendwann auf - ist ein bißchen komisch und dann nimmst du noch mal ein bißchen Drogen. Und dann kommst Du langsam drauf, das brauchst Du dann um zu existieren, um morgens aufzuwachen. Ja dann nimmst Du das und denkst - zwei drei Wochen, Du bist stark genug. Du schaffst das schon. Dann hörst Du zwei, drei Tage auf, dann triffst Du Günther Meier, dem hast Du mal geholfen, der will Dir dann auch helfen - ist ja nicht böse gemeint, der hilft Dir dann und Du bist schon wieder auf Droge.
Dann gehst Du zu Deinen Bekannten, die verschließen die Augen. Du sagst: Mann, ich nehme Drogen. Die wollen davon nichts hören - ach bloß nicht - denken, wer Drogen nimmt, ist der Abschaum. Wenn Du zu den Leuten sagst: Ihr nehmt gegen Eure Probleme Tabletten, Alkohol, haut Eure Frauen...., ich hab es eben mit Drogen versucht in den Schlaf zu kommen, dann machen die nur dicht.
Die ganzen Leute, die Du als normal geachtet hast ­ die fallen dann weg und Du lernst nur noch Leute kennen, die auch auf Droge sind. Mit den Freunden von früher hast Du dir nichts mehr zu sagen, die verschließen die Augen und wollen die Probleme auch gar nicht sehen.
Eine Freundschaft, die Probleme bereitet, ist ja ganz gefährlich. Dann mußt Du erstmal die Kraft haben, da wieder raus zu kommen. Dann hab ich die Wohnung verloren, geh ich zur Behörde und kriege keinen Dringlichkeitsschein, weil ich im Knast und im Ausland war und keine drei Jahre mehr in Hamburg gemeldet bin.



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