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 « zurück  Nr.02 / Index | 07.2000 | Seite 05   blättern » 


Nowhere

Hanse-Boot

At the end of Nowhere: Verlassenes DB-Gelände an der Lagerstraße
Findet die Hanse-Boot bald im Schatten des Wasserturmes statt?
Messeentwicklung

Messe: Neue Probleme für die Schanze?


Die vom Senat beschlossene Prüfung einer Messeentwicklung am bestehenden Standort schreckt das Quartier auf. Diese Entwicklung der Messe birgt für viele mehr Risiken als Chancen. Zu den bereits bestehenden und bekannten Problemen im Quartier kann nun durch die Messeentwicklung noch die Verschärfung der Verkehrsprobleme und die Gefährdung von Gewerbebetrieben und der Zusammensetzung der Bevölkerung erfolgen.

Von vielen Menschen im Karolinen- und Schanzenviertel wir die Notwendigkeit dieser Messeentwicklung, insbesondere der Erweiterungsbedarf über die Karolinenstraße, zur Zeit nicht gesehen. Daß der Zeitraum, in dem die Möglichkeit einer Messeentwicklung untersucht werden soll, sehr kurz ist, verstärkt den Argwohn. So haben viele Angst, daß bei dieser kurzen Prüfungszeit die Belange der Gewerbetreibenden, Bewohner und Eigentümer nicht berücksichtigt werden. Die schlechte Informationspolitik des Senats vermittelt den Eindruck: "Hier soll etwas übers Knie gebrochen werden". Das Vertrauen vieler Betroffener in die Planung des Senats tendiert gegen Null.

Es genügt den Betroffenen nicht mehr, daß nur die Folgen der neuen Messe-entwicklung abgefedert werden sollen, sondern der bereits jetzt durch Messe und Dom in das Quartier drückende Verkehr muß bereits im Vorwege raus. Es werden daher "Vorleistungen" erwartet und die Forderung der Betroffenen steht: "Erst mal müssen Verbesserungsmaßnahmen im Quartier erfolgen, insbesondere beim Verkehr. Dann kann über eine Messeentwicklung gesprochen werden". Für viele Bewohner und Gewerbebetriebe ist auch eine Gefährdung des Fleischgroßmarkt Hamburg (FGH) nicht akzeptabel.

Der Fleischgroßmarkt soll für den zweiten Bauabschnitt der Messe eigene "nicht benötigte" Flächen abgeben. Diese Flächen gibt es nicht. Wenn der Fleischgroßmarkt Flächen abgeben muß, dann müssen Unternehmen das Gelände verlassen und sich anderweitig ansiedeln. Bestehende Geschäftsverbindungen und Handelsströme werden zerreißen. Das bestehende "Netzwerk" Fleischgroßmarkt wird über kurz oder lang verkümmern. Damit wäre der Fleischgroßmarkt zum Sterben verdammt. Der "sterbende Fleischgroßmarkt" wird den Wegzug oder gar die Schließung von weiteren Firmen zur Folge haben, sowohl auf dem Fleischgroßmarkt als auch im Quartier. Dazu werden auch Zulieferer, Handwerksbetriebe oder Dienstleister zählen, die durch die Existenz des Fleischgroßmarktes heute noch ihr Auskommen haben.

Viele Beschäftigte, die zur Zeit Mieter in diesem Quartier sind, werden ihre Wohnungen hier aufgeben und ihren Firmen zum neuen Standort folgen oder arbeitslos werden. Die Wohnungen werden von neuen Mietern oder Eigentümern bezogen. Es entsteht also auch eine Veränderung der Zusammensetzung der Bevölkerung. Diese Bevölkerungsänderung wird zu Konflikten innerhalb des Quartiers führen. Mit anderen Worten: Nachbarschaftsstreit, weil der Fleischgroßmarkt wegen der Messeentwicklung nicht oder nur noch als Torso besteht.

Der Wegzug von Wohnungsmietern und Gewerbemietern schafft anderseits natürlich Platz für die sogenannten neuen Medien. Diese werden den bereits im Ansatz erkennbaren Aufwertungsdruck im Quartier noch verstärken. Diese Betriebe und auch ihre Mitarbeiter werden bereit und fähig sein, höhere Mieten zu zahlen. Sie sind damit eine Konkurrenz zu vielen bisherigen Mietern. Manche heutige Mieter fürchten dies und fordern daher bereits jetzt die Einführung einer sozialen Erhaltungsverordnung für das Quartier, um diese Entwicklung zu verhindern. Dies wäre für Grundeigentümer eine weitere Einschränkung ihrer Rechte. Im Endeffekt müßten dann die Grundeigentümer und nicht die Messe AG oder gar der Senat die sozialen Folgen der Messeentwicklung "bezahlen". Dies ist offensichtlich nur wenigen Grundeigentümern bewußt.



Jens-Thomas Kleinikauf   Kontakt:
Jens-Thomas Kleinikauf, Grundeigentümer
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