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![]() ![]() Pastor Hans Visser: "Wer Konsum erlaubt, muß auch dafür sorgen, daß er gehandelt werden kann." |
Haben Sie eine Alternative ...?Das Drogenproblem in der Schanze nehmen AnwohnerInnen, Geschäftsleute, Eltern, Ältere oder die Rote Flora sehr unterschiedlich wahr. Auf einem ganztägigen Workshop mit dem Titel "Integrieren oder Ausgrenzen - Das Drogenproblem in der Schanze" suchte man am 20. Mai gemeinsam nach Ideen und Lösungen. Spannende Anregungen lieferte ein Bericht von Pastor Hans Visser über ein soziales Projekt in Rotterdam. Eingeladen hatten das Projekt "Kirche und Stadtteilentwicklung im Schanzenviertel" sowie die "Palette e.V." und "Freiraum e.V." Die "Pauluskerk" liegt in der Innenstadt von Rotterdam, fünf Gehminuten vom Hauptbahnhof. Dort wie hier: Gedealt und konsumiert wurde auf der Straße. 1989 richtet Pastor Hans Visser einen Konsumraum in seiner Kirche ein. Erlaubt war dies nicht, letztlich aber von Polizei, Justiz und Politik geduldet. Was blieb, war das Dealen in den Straßen und Hauseingängen und der damit verbundene Stress für Anwohner und Konsumenten. Beides im Auge, entschloss sich Pastor Visser, ein weiteres Experiment zu wagen: "Wir mussten einen Schritt weitergehen. Wer den Konsum erlaubt, muss logischerweise auch dafür sorgen, dass er gehandelt werden kann. Es ist doch eine verkehrte Welt, in der der Verbrauch legal ist, der Handel aber bestraft wird!" Also fing er 1995 an, den Handel zu organisieren und zu regulieren: Nach anfänglichen Schwierigkeiten gestattete er drei Hausdealern, in der Kirche unter strengen Auflagen zu dealen. Die Behörden waren entsetzt. "Haben Sie eine Alternative?" fragte er und erhielt als Antwort ein Schulterzucken. Sie ließen ihn gewähren, besuchen die Kirche und wissen offiziell nichts. Mittlerweile sind dreißig Dealer von Pastor Visser in einer Stiftung organisiert, die in elf kleinen Einrichtungen Stoff mit vernünftiger Qualität, zu passablen Preisen an "Clubmitglieder" verkaufen - Konsum eingeschlossen. Seine Erfahrung mit dem regulierten Handel fasst er mit einem Satz zusammen: "Die Gewalt verschwindet, es ist keine Rede mehr von Ausbeutung und Wucherpreisen, die Stoffe werden auf ihre Reinheit geprüft, durch ein eigenes Ausweissystem wird der Drogentourismus verhindert, es ist Ruhe vor der Tür und in den benachbarten Straßen." Das Verkaufen sogenannter harter Drogen ist in den Niederlanden allerdings genauso verboten wie in Deutschland; die offene Drogenszene wird dort ebenso verdrängt und strafrechtlich verfolgt. "Charakteristisch für die niederländische Drogenpolitik ist der Pragmatismus, mit dem versucht wird, die Drogenproblematik zu beherrschen. Ziel ist die Bekämpfung der Belästigung auf der Straße und das Verringern von Gesundheitsschäden. Der nächste logische Schritt nach der Akzeptanz des Drogenkonsums wäre die Akzeptanz des Kleinhandels in gaststättenähnlichen Einrichtungen." Diese und andere Einrichtungen sollten möglichst diskret und unauffällig in den Stadtteilen arbeiten, meint Hans Visser und fügt hinzu: "Wir sollten uns davor hüten, Großeinrichtungen in die Stadtteile zu setzen. Das kann nur Probleme mit der Nachbar-schaft bringen. Kleine, vereinzelte Einrichtungen sind eine bessere Alternative. Außerdem soll man zugleich versuchen, die Betreuung zu verbinden mit Ar-beitsprojekten, wo sie Geld verdienen können, um ihre Drogen zu bezahlen. Übernachtungen sind ebenso notwendig wie die Möglichkeit, dass Konsument-Innen ihr Geld verwalten lassen können, damit sie nicht alles für Drogen verwenden." Ein Herzensanliegen ist Pastor Visser: Die Händler sollen Steuern zahlen. Zu seinem Verdruss lehnt die Finanzbehörde dies noch ab. | |||
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Autor: Christian Arndt, "Kirche und Stadtteilentwicklung im Schanzenviertel" Wer Interesse am Referat von Pastor Visser hat oder über die Folgetreffen informiert werden möchte, kann sich bei mir melden. Weitere Veranstaltungen sind geplant. | |||
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