Lisa Schleunes:
bis Ende '99: Eimsbüttler Chaussee
Die Drogendealer auf Straßen und in Parkanlagen
verunsichern die Leute und ängstigen die Kinder.
Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Für die
Rote Flora muß ein Konzept erarbeitet und das
Gebäude saniert werden, damit sie - im Sinne
eines Stadtteil- und Nachbarschaftszentrums -
von vielen Gruppen und Initiativen genutzt
werden kann. Die Spielmöglichkeiten der Kinder
wurden durch die Flächenreduzierung auf
dem Bauspielplatz sogar verschlechtert. Die
Spielplätze sollten besser ausgestattet und gepflegt
sein. Die Parkanlagen sind mittlerweile großflächige
Hundeklos. Die Nutzung als Spiel- und Freizeitfläche
ist dadurch erheblich eingeschränkt.
Elli Steffens:
Vorsitzende des Elternrates der Schule Altonaer Straße
Ich wünsche mir eine Verbesserung, beziehungsweise
Ausweitung der Betreuung von Kindern und Jugendlichen
an den Nachmittagen. An einer entsprechenden Essens-Versorgung
arbeiten wir an der Schule bereits. Viele Eltern empfinden die
Drogenszene im Viertel als konkrete Bedrohung, besonders ihrer
Kinder, und wählen aus diesem Grund
lieber andere Schulen. Hier sehe ich dringenden Handlungsbedarf -
auch im Hinblick auf eine differenziertere und qualifiziertere
Berichterstattung in den Medien.
Peter Haß:
vom Buchladen am Schulterblatt 55, seit 20 Jahren im Viertel
Nach der Verdrängung der Drogenszene hin zum Schulterblatt
wird viel gejammert. Aber worüber? Irgendwo müssen die
Drogenabhängigen ja sein und damit auch die Dealer, solange
es keine staatliche Abgabe von Drogen gibt. Wir haben uns von
dieser Szene noch nie gestört gefühlt. Eher von der massiven
Polizeipräsenz und den abscheulichen, ständigen Kontrollen vor
allem schwarzer Menschen im Viertel. Es muß schleunigst ein
zweiter Druckraum für die Abhängigen her, auch um die Rote Flora |
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von ihrer anerkennungswürdigen Arbeit zu entlasten.
Viele - gerade auch Gewerbetreibende - machen es sich zu
leicht, wenn sie alle Probleme als Ergebnis der "Drogenszene"
betrachten. Unsere Läden im Viertel merken jedenfalls nichts
von einer negativen Entwicklung.
Gerrit Lerch (27) Marc-Oliver Pagel (27):
Betreiber Bar-Projekt I (Schulterblatt 74) und
Cafe ohne Namen (Schulterblatt 72)
Die Schanze ist ein multikultureller Tuschkasten Š und das soll sie
bleiben. Einige Dinge stinken hier allerdings gewaltig. Aufgerissene
Müllbeutel sorgen für atemberaubenden Gestank. Alles was nicht in bezahlten
Säcken ist, läßt die Müllabfuhr in der Gosse verloddern. Warum keine
Mülltonnen, -trennung oder häufigeres Abholen?
Bei der Parkplatzsuche geht das Grauen richtig los. Hat man nach endloser
Suche einen gefunden, steht man im Halteverbot und bekommt von einer übereifrigen
Politesse sofort einen Strafzettel. Wo bitte soll ich auf dem Schulterblatt
ordnungsgemäß be- und entladen? Warum kein großer Parkplatz an
der Ecke Schulterblatt/Max-Brauer-Allee - das Gelände liegt schon lange brach.
Die Drogensituation eskaliert allmählich. Dealer verchecken vor unserer Bar ungehindert harte
Drogen. Wir waren nie Rassisten und wollen auch keine werden. Aber unsere
Wut wächst. Durch die "Schießbuden", wie den Fixstern, gibt es immer mehr neue
Junks, die das Schanzen-Prinzip "Tust Du mir nichts, tu ich Dir nichts" nicht
verinnerlicht haben, weil sie frisch im Viertel sind. Wir Nachtarbeiter
dürfen uns dann mit den verstrahlten Nichtsmerkern auseinandersetzen. Eins ist
klar: Wo Junkies sind, sind auch Dealer - und andersrum. Wir wollen das
Drogenproblem nicht gänzlich aus dem Viertel kehren, aber das soziale Gefüge
darf nicht durch übermäßiges Wachstum der Drogenszene gesprengt werden.
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